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Digitalisierung, die

Frauen sind die besseren Agenten der Digitalisierung – eine These mit Provokationspotenzial. Digitalisierung ist geprägt durch Kommunikation, Vernetzung, Austausch von Wissen und Vertrauen. Dass Frauen dabei auf einer kooperativeren Art als Männer agieren macht sie zu den optimalen Vorreitern der Digitalisierung. Diese These hat Robert Franken schon vor einiger Zeit in seinem Blog aufgestellt und jüngst in einem inspirierenden Interview in der Podcast-Serie „New Work“ auf Deutschlandradiokultur noch einmal dazu argumentiert. Eine These die wir im Rahmen der Blogparade der Otto-Group zum Thema „Digitalisierung: Was passiert da gerade eigentlich?“ aufgreifen.

 

Was ich sehr sympathisch finde bei der Argumentation von Robert Franken ist, dass er selbst weiß, dass seine These sehr progressiv formuliert ist. Sicher liegen auch in dieser Diskussion zwischen den Extremen viele Nuancen. Aber Diskussionen lassen sich nur starten, wenn man von extremen Positionen denkt.

 

Robert Franken betont, wie sehr sich Entwicklungsprozesse ändern. Vernetzung ist dabei kein Selbstzweck. Tatsächlich ist Vernetzung Kernbaustein der Neuentwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Heute geht es stark um die Zentrierung auf den Nutzer. Etwa im Design Thinking als Methode mit dem Fokus auf User und dem Erproben von Entwicklungen über Prototypen. Entwicklung findet in Testzyklen und Feedbackschleifen statt – und gelangt so zur Reife. Das geht nur, wenn der Austausch über Erfahrungen und Lösungsvorschläge schnell, unkompliziert und vor allem vertrauensvoll ist. Zusätzlich ist entscheidend, dass Know-how nur dann für das Unternehmen wertschöpfend verfügbar ist, wenn es geteilt wird. Bei der Komplexität der Anforderungen geht das auch gar nicht mehr anders.

 


Der Eindruck von Robert Franken ist, dass eben gerade Frauen diese Idee der Vernetzung viel weiter leben – auch in Unternehmen. Digitalisierung heißt Vernetzung, Kommunikation und Austausch von Wissen – Bereiche in denen Frauen Stärken haben. Die Digitalisierung ist weiblich.

 

Digitalisierung ist ein Phänomen in der gesamten Gesellschaft und nicht nur in der Wirtschaft. Sie kann nicht ausschließlich mit Technisierung übersetzt werden. Inga Höltmann zitiert in ihrem Podcast einen treffenden Tweet: „Wenn man einen blöden Prozess digitalisiert, dann hat man halt am Ende einen blöden digitalen Prozess!“ (im Original von Thorsten Dirks, CEO Telefónica Deutschland). Das kann man nicht genug betonen. Die Technik liefert die Werkzeuge, nicht weniger und nicht mehr.

 

Digitalisierung bedeutet für uns eine Kultur der Vernetzung. Das gilt für Gesellschaft und für Wirtschaft.

 

Die Realität sieht durchaus anders aus. „Ich sehe überhaupt kein Problem beim Thema Frauen in Unternehmen.“ Genau diese Haltung ist es, die Aufhorchen lassen sollte. Robert Franken sieht in diesem Symptom bei den Männern das Problem und einen starken Beweis für eine immer noch männlich dominierte Kultur in vielen Unternehmen. Der blinde Fleck sei typisch, wenn wir schon so eingefahren in unseren Haltungen und in unserem Verhalten sind, dass nicht mal mehr die Herausforderung gesehen werde.

 

Selbst die StartUp Szene ist vor allen Dingen männlich: nur 13 % der deutschen Start-Ups waren von Gründerinnen getragen (Stand 2016). Mehr „Fempreneuship“ würde der digitalen Szene bestimmt gut tun.

 

Wir alle gemeinsam können keine digitalisierte Gesellschaft der Zukunft erwarten, wenn wir uns noch verhalten wie in den 50er Jahren. Um gesellschaftlich die Digitalisierung zu schaffen, müssen Vernetzung und Kommunikation gefördert werden – egal bei welchem Geschlecht. Bei “Gleichbefähigung” – wie es Robert Franken nennt – ist es egal ob es „der” oder „die” Digitalisierung heißt.


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