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Drei Schlaglichter zum AUGENHÖHELab in Bielefeld

Wissen kann man aufschreiben, Erfahrungen kann man nur teilen. Das habe ich wieder bei der BarCamp-Session zum AUGENHÖHELab * Ende Juni 2018 in Bielefeld bei comspace gemerkt.

Drei Dinge, möchte ich daraus mit euch teilen:

+ OpenSpaces funktionieren! (sogar in der kleinen Gruppe)

+ Übergreifende Vernetzungen sind elementar für Innovation

+ Warum selbstorganisierte Arbeit ein besonderer Schatz ist, den es zu behüten gilt

 

12 Menschen, 1,5 Tage und das OpenSpace Format funktioniert fabelhaft

Zu Beginn regte sich in mir leiser Zweifel: Ein Barcamp-Format mit den Regeln der Un-Konferenz-Kultur, sprich mit spontan angebotenen Sessions, Teilnehmenden die genau die Richtigen sind und der Freiheit eine Session jederzeit zu betreten oder zu verlassen – je nach Belieben. Funktioniert das aber auch in so einem kleinen Kreis?

Wie immer überwindet die Erfahrung des Machens das Bedenken. Ich kann nur dazu ermutigen, auch in einer kleinen Gruppe mit dem Angebot der offenen Sessions zu experimentieren. Gerade wenn die Diversität (und die Diversität ist die Voraussetzung für jede Innovation) ausreichend groß ist, bilden sich zwischen den Teilnehmenden stets neue Konstellationen unterschiedlicher Größe – bis hin zu einer Session, die zu zweit stattfand. Und diese beiden waren genau die Richtigen! Ihre Session hat ihnen bei einem Thema, das jemanden schon lange umtrieb, entscheidende neue Impulse gegeben. Zugegeben während des Labs gab es keine großen Wanderungsbewegungen zwischen den Sessions. Allerdings konnten nicht alle, die gesamte Zeit dabei sein… insofern galt auch hier das Gesetz der Füße (kommen und gehen wie es einem persönlich passt).

Foto: Daniel Trebien/AUGENHÖHE http://community.augenhoehe-film.de

Schließlich stellt das Format des OpenSpace auch die Behauptung auf, dass die Anwesenden stets die Richtigen sind. Als Ermutigung habe ich diesmal erlebt, dass ich der Richtige bin, der dabei ist. In einem großen Workshop kann man sich ja immer etwas verstecken, aber der kleinere Rahmen half mir Teilgeber zu werden – und nicht passiver Teilnehmer zu bleiben. Ich war offen für Neues und bin tatsächlich mit wertvollen Ideen für die eigene Arbeit beschenkt worden. Anders als bei einem OpenSpace waren die Sessions allerdings meistens so lang, wie die angesetzte Zeit – und starteten immer sehr schnell durch (in einigen Sessions lief der Timer).

Hilfreich war auch, dass die Sessiongeber nicht die Session zusammengefasst haben, sondern tatsächlich alle nach der Session die persönliche Essenz daraus – möglichst in einem Satz – gezogen haben. Hier war die Moderation sehr hilfreich. Die Arbeit war hochkonzentriert.

 

Mitarbeitende verschiedener Unternehmen vernetzen sich

Wir übersetzen Digitalisierung mit Vernetzung. Mit “raus aus den Silos der Hierarchien und Abteilungen”. Und schon vor dem AUGENHÖHELab reifte bei der Arbeit an talee die Erkenntnis, dass es ein Bedürfnis gibt, auch das Silo der eigenen Organisation, das Unternehmen zu verlassen und Vernetzung weiter zu denken. Solche Offenheit mag im ersten Moment hier und da einen Angst-Reflex auslösen, denn da draußen lauern Marktbegleiter, die vielleicht etwas erfahren, was den eigenen Vorteil schmälert. Dabei vernetzen wir uns im Privaten mit fließenden Übergängen zum Professionellen doch schon lange.

Und von diesen Netzwerken profitieren auch die Arbeitgeber der so vernetzten Menschen. Während des Labs diskutierten die Teilnehmenden, die aus großen, ganz unterschiedlichen Unternehmen kamen, sehr angeregt darüber, die Vernetzung noch viel intensiver zu betreiben. Und warum nicht auch einen OpenSpace für die Experten aus operativen Bereichen initiieren – und dabei mit dem Format in einer Remote Version zu experimentieren.

Wo wir einst Konkurrenten gesehen haben, entdecken wir Partner, mit denen wir gemeinsam mehr erreichen können. Das ist ja keine ganz neue Erkenntnis. Industriestandards entstehen ja auch, wenn Wettbewerber diese aushandeln. Erfolgreich wird das Vernetzen, wenn Unternehmen aktiv Mitarbeitenden Möglichkeitsräume der Vernetzung schaffen – und erwachsene Menschen werden solche Räume verantwortungsvoll nutzen. Ich bin auf jeden Fall nach dem Lab überzeugt, dass übergreifende Vernetzung zwischen Unternehmen notwendige Impulse für Innovationen liefern kann.

Und dass es Sinn macht, damit erst einmal regional mit Unternehmen zu beginnen und dabei auf die Vernetzung der Menschen aufzubauen, denn die gibt es schon. Das sollten wir als Stärke wahrnehmen.

Hüte deinen Schatz: die Erfolge selbstorganisierter Organisation

Ein Thema, das in diversen Sessions immer wieder auftauchte (fast möchte ich sagen hervorbrach), war die Frage: funktioniert eigentlich die Neue Arbeit, in der Mitarbeitenden selbstbestimmt, selbstorganisiert handeln, wirklich? In der Filter Blase der New Work laufen wir sicher immer wieder Gefahr, uns in Wohlgefallen der eigenen Neuartigkeit zu verlieren. Ich persönlich war erstaunt, wie kritisch, auch selbstkritisch, das Thema diskutiert wurde.

Das AUGENHÖHE-Prinzip geht davon aus, dass Unternehmen, in denen Mitarbeitende sich als Menschen entwickeln können, von dieser persönlichen Entwicklung profitieren. Dieses Versprechen muss sich an der Realität messen lassen. Dabei gibt es eine ökonomische Dimension, aber noch stärker rückte die kulturelle Dimension in den Fokus der Sessions.

Sehr emotional wurde diskutiert, dass Angebote zur Selbstorganisation teilweise heftig zurückgewiesen werden, dass es nicht mal mit der Selbstorganisation beim Dienst an der Spülmaschine klappt geschweige denn beim unternehmerischen Denken. Wenn etwa selbstorganisierte Teams ökonomische Belange hintenan stellen und den Kundenfokus mit dem eigenen Perfektionsstreben kurzschließen: da verbrennen Marge und Rendite.

Foto: Daniel Trebien/AUGENHÖHE http://community.augenhoehe-film.de

Aus den Gesprächen nehme ich mit, dass die negativ behafteten Themen (und die damit verbundenen Emotionen) in der selbstorganisierten Organisation unbedingt transparent werden müssen. Ein wichtiges Mittel ist die Retrospektive, die Raum dafür gibt und tatsächlich auch den Perspektivwechsel für alle ermöglicht.

Dabei gilt es, nicht zu vergessen, wie weit wir eigentlich schon gekommen sind: Die Erfolge auf dem Weg auch zu feiern. Den Schatz hüten, den wir mit der Selbstorganisation gehoben haben, nannte das jemand. Unser menschliches Sensorium für die Gefahr ist größer, als unser Sensorium für den Erfolg (Ich weiß nicht, ob es wirklich daher kommt, dass unsere Vorfahren so viel Aufmerksamkeit auf den Säbelzahntiger richten mussten und wir immer noch nach dieser Gefahr Ausschau halten).

Die Erfolgsgeschichten dürfen wir uns durchaus auch weiter erzählen. Sie sind Motivation und geben Stärke. Gerade dann wenn auch mal Enttäuschungen und Ärger da sind. Den Schatz hüten heißt keineswegs, wie der Drache Smaug im kleinen Hobbit sich darauf auszuruhen. Eher im Gegenteil: Den Schatz hüten heißt sich auf den Kern zu konzentrieren, sich aber auch mit den Veränderungen zu befassen und diesen Schatz stets zu investieren in Verbesserungen und Innovationen.

Und: Wir sind beim Thema Neues Arbeiten immer auch Übende.

 

Fazit

Macht mehr OpenSpaces auf.

Vernetzt euch weiter grenzenlos.

Erzählt euch eure Erfolgsgeschichten.

… und arbeitet weiter auf AUGENHÖHE.

 

OpenSpaces, grenzenlose Vernetzung & Co. – das geht übrigens auch alles mit talee in euren Unternehmen – einfach und selbstorganisiert über unsere digitale Plattform.

Sprecht uns gerne an.

*Kurze Info zum Format AUGENHÖHELab: Anders als in den AUGENHÖHECamps bleibt der Kreis der Teilnehmenden sehr klein. Wir waren ein Dutzend. Und anders als in den Camps ist eine Teilnahme nur nach Einladung möglich. Vorgeschlagen wurde ich von Andreas Kämmer (dem ich hier unbedingt danken möchte für die Chance dabei zu sein).  Gemeinsam in der kleinen Gruppe verbrachten wir eineinhalb Tage mit einem sehr intensiven Austausch. Das war zum Teil sehr persönlich und stets sehr vertrauensvoll.

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