Spende dein Talent Blog

Unsere Augenhöhe Session zum Wissenstransfer

In diesem Abschnitt meines mehrteiligen Blogbeitrags zum Hamburger Augenhöhe Camp 2016 berichte ich über unsere Augenhöhe Session zum Thema Wissenstransfer, die meine Kollegin Hanna (@HannaDrabon ) und ich spontan beim Augenhöhe Camp 2016 in Hamburg angeboten haben.

Hier mal ein paar Beispiele, weshalb Hanna und ich uns spontan dazu entschlossen haben, diese Session anzubieten:

  1. Wer hat das nicht schon mal erlebt? Kaum ist der Kollege im Urlaub, gibt es ein Problem und keiner der Anwesenden kann das Problem lösen, man will den Kollegen aber nicht in seinem Urlaub stören.Was macht man dann oder wie hätte diese Situation vermieden werden können?
  2. Ein Unternehmen wächst rasant an und neue Mitarbeiter werden eingestellt. Bis die neuen Mitarbeiter sich eingearbeitet haben und wissen, wie der Hase läuft, dauert es oft lange und der Weg dahin beinhaltet den ein oder anderen Fehler, der durch fehlendes Wissen zu Prozessen oder Standards verursacht wurde.Wie schafft man es das vorhandene Wissen auf neue und vorhandene Mitarbeiter zu übertragen und zu festigen?
  3. Ein Mitarbeiter im Support bearbeitet täglich die verschiedensten Themen und auch im Projektgeschäft gibt es Probleme, die immer wieder kehren.Wie hält man Lösungen zu solchen Problemen konsistent fest, sodass sie immer aktuell sind und das Rad nicht jedes Mal neu erfunden werden muss?

Dazu kommt noch, dass das Wissen zunächst einmal erlangt werden, dann dokumentiert und auch noch gewartet werden muss. Das sind alles sehr zeitintensive Aufgaben, für die es Raum, Tools / Prozesse und Motivation geben muss.

Wie motiviert man Menschen dazu ihr Wissen zu teilen ?

Zu dieser Frage gibt es wahrscheinlich noch viel mehr Ideen und Konzepte.Während unserer Session haben wir folgende Motivationsfaktoren mit den Teilnehmern identifiziert:

  1. Neugierde / Wissenshunger:
    1. selbst andere nach Wissenstransfer fragen um zu lernen
  2. Belohnungen:
    1. man darf sich selbst ein spannendes, interessantes Thema auswählen, an dem man arbeiten will, und teilt dann das Wissen
    2. Anerkennung
  3. Zeit:
    1. wenn andere mich nicht ständig fragen, habe ich weniger Stress und mehr Zeit für meine eigentliche Arbeit
    2. ich kann neue Themen für mich ergründen, wenn ich das Wissen, das ich vorher erlangt habe, mit anderen teile
  4. Verantwortung teilen / abgeben:
    1. ich kann ohne Sorgen krank sein oder in den Urlaub fahren, weil ich weiß, dass meine Kollegen die nötigen Informationen auch ohne mich finden, weil alles gut dokumentiert ist
  5. Bequemlichkeit / Faulheit / Effizienz:
    1. wiederkehrende Probleme und deren Lösung dokumentieren damit man sich nicht jedes Mal lange mit der Suche nach der Lösung aufhält
    2. “Hilfe zur Selbsthilfe” – Wissen mit dem Kunden teilen (Lösungen zu einfachen Supportanfragen in FAQs oder Handbücher packen)

Wie kann Wissenstransfer stattfinden? Was braucht es dazu?

Nach dem Warum beschäftigten wir uns dann mit dem Wie. Denn dass man Wissen teilen will, heißt noch lange nicht, dass das Wissen auch dort ankommt, wo es gebaucht wird. Dazu braucht es Methoden, Prozesse und Werkzeuge. Folgende Ideen haben wir während der Session mit den Teilnehmern erarbeitet:

  1. gute Onboarding – Prozesse
    1. neue Mitarbeiter durchlaufen zu Beginn alle Abteilungen des Unternehmens um alles kennenzulernen und zu verstehen
    2. Mentoring während der Probezeit(feste Ansprechpartner)
  2. kommunikative Unternehmenskultur
    1. Wissen, wo oder bei wem man das nötige Wissen finden kann
    2. können die Mitarbeiter neben ihren normalen Aufgaben noch ? Gibt es versteckte und bisher ungenutzte Potenziale ?
  3. gut organisierte schriftliche Dokumentation von Wissen an zentraler Stelle
    1. Tools wie Confluence und Wikis
    2. Handbücher
  4. Partnerarbeit
    1. Pair-Programming
    2. Job – Sharing
  5. Veranstaltungen oder Orte, die genau diesem Zweck dienen
    1. “Communities of Practice”
    2. Barcamps wie das C#42 von comspace
  6. Zeit
    1. fest in die Ressourcenplanung eingeplante Zeiten, z.B.
      1. ein Tag in der Woche
      2. Zeit zwischen 2 Projekten
  7. Sicherheit
    1. Wissensträgern die Angst nehmen überflüssig oder weniger wichtig zu werden, wenn sie ihr Wissen mit anderen teilen
    2. aus Kollegen Teams statt Konkurrenten machen

Mein Fazit

Wissenstransfer und Vernetzung innerhalb des Unternehmens, vor allem unter den Kollegen, gehören meiner Meinung nach zu den wichtigsten Faktoren für eine funktionierende Unternehmenskultur. Sie bilden das Fundament für viele weitere Maßnahmen, die die Unternehmenskultur fördern, und beeinflussen damit wahrscheinlich auch den Erfolg des Unternehmens.

Hier ein Beispiel: ein Team ist untereinander gut vernetzt und teilt erfolgreich das erworbene Wissen untereinander. Ein Kollege fällt unerwartet aus, doch ein wichtiges Projekt muss zeitnah abgeschlossen werden. Der Ausfall des Kollegen stellt für das Projekt keine Gefahr dar, weil die anderen Mitglieder des Teams gut informiert sind, sodass sie die Arbeiten übernehmen und ohne Probleme erledigen können. Der ausgefallene Kollege kann sich ohne schlechtes Gewissen auskurieren und dann wieder voll einsatzfähig ins Team zurückkehren. Während seiner Abwesenheit wurde alles Wissenswerte adäquat dokumentiert, sodass er schnell wieder auf dem neusten Stand ist.

Damit sich Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen binden, sind natürlich noch andere Faktoren wichtig; zum Beispiel die eigene Zufriedenheit, faire und transparente Gehälter oder flexible Arbeitszeitmodelle und Familienfreundlichkeit. Einige dieser Faktoren waren ebenfalls Thema beim Augenhöhe Camp. Meine Eindrücke aus den entsprechenden Sessions habe ich ebenfalls in meinem Rückblick zum Augenhöhe Camp verarbeitet.


Schreibe einen Kommentar

*