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Warum sich die Teilnahme am Augenhöhe Camp immer wieder lohnt!

Unser Rückblick auf das Augenhöhe Camp 2017 in Hamburg

 

Barcamps gibt es zunehmend in jeder größeren Stadt. Das Format in dem die Teilnehmer in der Regel selbst die Themen einbringen und Diskussionen starten erfreut sich großer Beliebtheit. Für mich war das Augenhöhe Camp 2017 in Hamburg erst das zweite Camp dieser Art und ich kann inzwischen sehr gut nachvollziehen warum.

Trotz ganz früher Anreise aus Bielefeld konnte ich leider nicht von Beginn an dabei sein, bin aber zu den “Aufwärmübungen” dazu gestoßen. Nach ersten Smalltalk-Gesprächen und kreativer Gestaltung von Namenszetteln, wurden wir uns so der Diversität der Camp-Teilnehmer bewusst. Wir sind verschieden alt und groß, wir kommen aus verschiedensten Unternehmensbranchen und -größen, sowie Städten. So bekam man ein erstes Gefühl für die Gruppe. In kleinen Gruppen tauschten wir uns dann darüber aus, warum wir beim Camp dabei sind und was wir für einen beruflichen Hintergrund haben. Ich war beispielsweise da, weil ich selbst gerade eine Master-Arbeit zum Thema Employee Engagement schreibe und mir dafür Inspiration und Input erhofft habe. Es war spannend, dass sich einige Teilnehmer (nach eigener Aussage) trotz extrem viel operativer Arbeit die Zeit für das Camp genommen haben. Sie nehmen sich schlicht die Zeit, denn sie halten diese für besonders wertvoll und entschleunigend.

Viel Freiraum, viel Input

 

Augenhöhe Camp HamburgJa, das habe ich dort auch erfahren. Trotz sehr viel Input der einzelnen Sessions lässt der Rahmen vor allem zu, dass man das tun und lassen kann was man möchte. Und das tat mir auch unglaublich gut. Man kann essen und trinken wann man möchte. Man kann jede Session jederzeit besuchen und auch wieder verlassen. Man kann mit Lego-Steinen bauen (ohja, mein Papa war sehr neidisch). Man kann sich also vor allem jederzeit frei bewegen und austauschen. Der Rahmen lässt einem viele Freiheiten – und trotzdem war ich abends so groggy, weil einfach sehr viel Input auf mich eingeprasselt ist.

Fakt ist aber auch, man kann an diesen Tagen auch nicht alle Sessions vollumfänglich besuchen. Ich fasse mal kurz und knapp die Sessions und Gespräche zusammen, die mich nachhaltig beeindruckt haben.

 

Potential³

Zur ersten Session bin ich gegangen, weil unsere Leidenschaft bei Spende dein Talent die Potentiale von Mitarbeitern sind und ich gespannt darauf war, was sich genau hinter dem “hoch 3” versteckt.

Schnell wurde klar, es geht in der Session weniger um das Potential des einzelnen sondern das des ganzen Unternehmens. Dazu gehören u.a. auch die Menschen (People), die im Unternehmen arbeiten und die, die vom Unternehmen profitieren oder betroffen sind. Die zweite Dimension ist der Profit des Unternehmens, ohne den unser Prinzip Wirtschaft nicht funktionieren würde. Und die dritte Dimension ist der Planet, ohne den wir als Lebensform nicht existieren würden. Die Diskussion drehte sich darum, inwiefern diese drei Dimensionen zusammenwirken und wie man daraus das optimale Potential für Unternehmen schöpfen kann.

Die Teilnehmer waren sich schnell einig – alle drei Dimensionen müssen Zieldimensionen im Unternehmen sein und sich gegenseitig positiv beeinflussen, damit der langfristige Unternehmenserfolg gesichert ist. Damit diese Maxime allerdings gelebt werden, braucht es die entsprechende Haltung der Menschen in den Unternehmen (denn weder der Profit, noch der Planet kann das Zusammenwirken von sich aus beeinflussen).

 

Kollegiale Führung

Eine Ecke weiter sprachen Bernd Oestereich und Claudia Schröder mit einer Gruppe interessierter Teilnehmer zum Modell des kollegial geführten Unternehmens. Sie selbst waren früher Geschäftsführer von oose und verkauften das Unternehmen 2014 an die eigenen Mitarbeiter. Inhaltlich ging es in der Session auch genau darum – wie man eine bestehende Organisation zu einer agilen Organisation mit kollegialen Führungsprinzipien hinführen kann. Ich bin daran hängen geblieben, weil sich bei Spende dein Talent natürlich gerade auch eine Menge verändert und wir unsere Rollen oder auch Prozesse in der Organisation immer mal wieder hinterfragen oder aktualisieren.

Bernd und Claudia berichteten immer wieder von sehr praktischen Erfahrungen und Learnings, die sie während der vergangenen Jahre gesammelt haben, z.B. bei der Organisationsveränderung bei Oose (neben comspace ein weiterer Sponsor des Augenhöhe Camps).

Besonder interessant war es für Teilnehmer zu verstehen, wie sich dabei auch die Rolle der Geschäftsführung oder der Inhaber wandelt. Denn das ist die erste Instanz von der der Change Prozess aus beginnen muss. Aber auch Fragen zu Entscheidungswegen und Umgang mit Konflikten in einer agilen Organisation wurden ausgiebig diskutiert.

 

Selbstorganisation

Nach einer kurzen Pause um die ersten Eindrücke verarbeiten zu können, ging es in mehreren Sessions um das Thema Selbstorganisation.

In einer Session ging es darum, was Selbstorganisation genau bedeutet und wie man für sich selbst Wege und Strategien finden kann, sich selbst (besser) zu organisieren und einzubringen.

Eine zweite Session hat mich besonders begeistert, da hier der Session-Host eine konkrete Herausforderung hatte: wie schafft er es bei seinen Mitarbeitern Selbstorganisation zu fördern – und das unter dem alltäglichen, operativen Druck. Einige Teilnehmerinnen hatten sehr konkrete, praxisnahe Tipps wie man da rangehen kann. Die allerwichtigste Erkenntnis war allerdings: schreibt euch bloß nicht als Ziel fett an die Wand “Wir machen jetzt Selbstorganisation!”. Nutze deine Position als Führungskraft (nicht als Management) und führe deine Mitarbeiter mit kleinen Schritten und Maßnahmen hin zur Selbstorganisation. Schaffe natürlich Rahmenbedingungen, die das zulassen. Und nimm dir vor allem Zeit dafür.

 

New Work ist Scheiße!

New Work auszunutzen, um dahinter versteckt Hierarchien unmoderiert abzuschaffen, kann auch eine sehr brutale Methodik sein. Besonders vom mittleren Management, das seit jeher  für den Erfolg eines Unternehmens maßgeblich verantwortlich war, werden nun die größten Veränderungen verlangt. Gleichzeitig wird besonders für diese Hierarchiestufe die Existenzfrage gestellt. Keine leichte Aufgabe also für die Rolle des mittleren Managements. Fazit der Session: für diese Herausforderung bedarf es einer Menge Empathie und Kommunikation auf Augenhöhe um den Wandel gemeinsam zu beschreiten.

 

Widerstände

Widerstand ist sinnvoll! Was genau bringt Menschen dazu in den Widerstand zu gehen und so ggf. Innovationen auszubremsen? Hier wurden besonders die drei Aspekte für Motivation nach Daniel Pink diskutiert: Purpose, Mastery, Autonomy.

Jedoch erklärt das Model nicht alle Anlässe für Widerstand. Sich zu erklären warum ein Mensch in den Widerstand geht, ist eine tolle Möglichkeit zur Selbstreflektion. Wann geht man selbst in den Widerstand und wie kann dieser aufgelöst werden? Eine Grundfrage über die ich noch lange nachdenken werde.

 

Mein Fazit zum Augenhöhe Camp

Für “neue” Teilnehmer lohnt es sich also in jedem Falle dieses Format auszuprobieren um ins Gespräch zu kommen, Inspiration für die eigene Arbeit mitzunehmen oder konkrete Problematiken mit der Peer-Group zu besprechen. Meine Kollegin Hanna hat mit Barcamps schon sehr viel mehr Erfahrung. Und trotzdem: jedes Camp ist anders. Auch wenn sich Themen immer mal wiederholen, entstehen permanent neue Gruppen und damit auch neue Diskussionen. Es sind diese kleinen, neu entstehenden Vernetzungen, die das Augenhöhe Camp so besonders und jedes einzelne einzigartig machen. Wir freuen uns darum schon auf unser nächstes Zusammentreffen! 🙂


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