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Work Awesome 2017: Arbeit weiter denken

Bei der ersten deutschen Work Awesome in Berlin trafen sich interdisziplinäre Experten aus der Praxis und diskutierten, wie wir in Zukunft arbeiten, aber auch leben wollen. Dabei wurde nicht nur die Arbeitswelt, sondern Digitalisierung und die Auswirkungen auf die Gesellschaft im Allgemeinen diskutiert. Eine passende Location bot die Alte Münze.

Die Initiatoren Lars Gaede und Felix Zeltner haben ein beeindruckendes Panel zusammengestellt. Vom Unternehmensvorstand, Gewerkschaftsvorsitzenden, Designer bis zur Vertreterin der Generation Y war eine große Bandbreite der Perspektiven zu erleben.

Herausragend war, dass das Thema “Zukunft der Arbeit” in einer derartigen Vielfalt diskutiert wurde, wie es leider selten ist. Dabei überzeugte trotz der 11 Stunden frontalen Podiumsdiskussion die Qualität der Teilnehmenden. Die Begeisterung und der Anspruch die Zukunft gestalten zu wollen und zu können waren ansteckend. Immer wenn man dachte: Wow, diesen Speaker haben die sich als “Schmankerl” aufgehoben, kamen weitere Beiträge die noch inspirierender waren und weitere Aspekte, die zur Diskussion beisteuern konnten.

 

Unsere Highlights der Work Awesome 2017:

Sehnsuchtsort Großkonzern

In unserem Büro gilt: “du bist ganz schön Konzern” bereits als Beleidigung. Agil ist was anderes, so die Meinung. Petra Scharner-Wolff, CFO der Otto Group und Wilfried Porth, Daimler Personalvorstand stellten die Realität offen und interaktiv in einer Fish-Bowl-Diskussion ganz anders dar.

 

 

Hierarchien sind zwar noch in der DNA der Führungskräfte und Führungskulturen versteckt, gleichzeitig wollen aber beide eine Balance schaffen zwischen Freiheit, Verantwortung und gesetzlichen Vorgaben. Wichtige Voraussetzungen für den Fortschritt. Daimler hat dafür das Programm “Leadership 2020” ins Leben gerufen.

Die Frage, wie man den Wandel unter die “Pinguine” bringen könne, beantwortet Petra Scharner-Wolff mit einem schönen Sinnbild: Erst einmal Inseln für die Papageien schaffen und dann mit den Papageien unter die Pinguine gehen.

Glaubwürdig verdeutlicht sie, dass bei dieser Veränderung bei Otto der Vorstand Vorbild und nicht Filter ist.

 

 

Auch bei Daimler gehe die Führung sehr offensiv mit Veränderungen um. Die Vorstände nehmen sich viel Zeit für Initiativen aus dem Konzern. Petra Scharner-Wolff betonte, dass in einem Unternehmen mehr über und mit denen geredet werden sollte, die den Wandel tragen, als mit den Bremsern. Es muss nicht jeder voran gehen, aber die, die wollen, sollten wir sehen, ermutigen und ihnen die Steine aus dem Weg räumen. Das überzeugt!

 

Selbstorganisation –  am besten selbst organisiert

Wenn man drüber nachdenkt, ist das ja klar. Eigentlich… Gleichzeitig werden immer wieder neue Modelle des Change gehypt. Jedoch etwas so individuelles in einer Methodik allgemein übertragbar zu machen, scheitert häufig an der eigenen Kultur. Holocracy ist so ein Modell. Sebastian Klein, Consultant bei The Dive, hat dieses Modell skizziert. Um mit einem Hinweis auf das dicke Handbuch “Holocracy” deutlich zu machen, dass auch dieses Modell durchaus starr werden kann. Vorbilder sind gut – aber schlicht kopierte Vorbilder verwandeln sich meist in Karikaturen.

 

 

Bei Audi Business Innovation (ABI) ist Holocracy daher nur eine Zutat der Selbstorganisation. Neben weiteren gehört auch eine große Portion “Audi Spirit” dazu. Charlotte Yasin, Project Management Organizational Change meint: Kein Handbuch, sondern eher eine skizzierte Landkarte bildet Selbstorganisation ab. Daher gilt bei Audi der Titel: SETT: “Save enough to Test”. Dabei geht es nicht darum, neue starre Regeln festzuschreiben, sondern weiter zu gehen und zu starten, ohne dass jedes Detail passt. Die Herangehensweise ist damit sehr digital – an Prototypen lernen, auch im echten Leben.

Ein interessantes Detail stellte Charlotte Yasin vor: Die PopCorn-Agenda. Damit sind 20 Tagesordnungspunkte in 60 Minuten zu bewältigen. Die Themen werden in Form von Post-Its auf der Agenda eingebracht. Darauf wird vorab definiert, was der gewünschte Output im Meeting ist: Eine Info, eine Entscheidung einfordern oder ein konkreter Arbeitsauftrag.

Doch ganz selbstorganisiert funktioniert so ein großer Change bestimmt nicht. Auch in diesem Fall hatte Audi mit Dive externe Begleiter, die bei der Reflektion unterstützten. Fazit: Auch wenn die Selbstorganisation die Organisation selbst entwickeln muss, braucht es dabei den begleitenden Blick und die Moderation von außen.

 

“Das Kapital” der Zukunft wird “das Digital”

Wertschöpfung wird digital. Daten werden daher das wichtigste Kapital und sogar wichtiger als Kapital. Das ist die Auffassung von Viktor Meyer-Schönberger, Professor am Oxford Internet Institute und Thomas Ramge, Redakteur u.a. bei Brand Eins. Gemeinsam haben Sie das Buch “Das Digital” geschrieben.

Was sie fordern ist revolutionär. Für die datenbasierte Wirtschaft sollen alle Daten allen zugänglich sein. Daten sollen nicht mehr ausschließlich von den Sammlern verwendet werden, sondern der Allgemeinheit zugänglich sein. “Data Sharing Mandate” ist das Stichwort.

 

 

Auf die Frage, ob das nicht eine neue Steuer sei, wenn großen Unternehmen ihre Daten zugänglich machen müssen, antwortet Viktor Meyer-Schönberger, dass im Gegensatz zu Steuern kein Geld (Kapital) aus dem Unternehmen entzogen wird, da die Daten auch und immer noch vom sammelnde Unternehmen voll verwendet werden können.

 

Die gelbe Gefahr bei Ver.di!

Was für eine außergewöhnliche Kombination. Frank Bsirske, Vorsitzender der Ver.di und Christoph Bornschein, Geschäftsführer im Praktikum von Torben, Lucie und die gelbe Gefahr (TLGG) werden direkt politisch. Dass sich die Rahmenbedingungen der Arbeit ändern müssen, steht für beide fest. Es geht um Flexibilität bei der Gestaltung von Arbeit. Aber auch um den Schutz derjenigen, die wir damit nicht alleine lassen können.

 

 

Der Imperativ der Wertschöpfung und des Wachstums gelten nach wie vor, müssen sich aber ändern.Digitalisierung mag Jobs killen – aber nicht die Arbeit. Jetzt kommt es darauf an, aus der Arbeit, auch wieder gute Jobs zu machen.

Dazu bedarf es Ideen und Gestaltungsräume, die europapolitisch geklärt werden müssen. Positive Entwicklung passiert nicht von allein, sondern nur dann, wenn die Gemeinschaft die Politik auch dazu zwingt sich damit zu befassen. Wir alle sind aufgerufen so Digitalisierung zu gestalten.

 

Das Wichtigste: die Zukunft träumen

Eine der größten Fragen des Tages: Wie wird die Zukunft aussehen? Fliegen wir zum Mars? Wird der Mond besiedelt? Sammeln wir auf Asteroiden Metalle für die irdische Industrie? Lauter Ideen, die sich eher wie Träume anhören.

Doch vielleicht klingt es nur so weit weg, weil das Gehirn sich ausschließlich lineare Prozesse vorstellen kann. Exponentielle oder disruptive Entwicklungen aus unterschiedlichen Bereichen wirken schnell wie Phantasien, jedoch ist genau das realistisch! Mit größter Begeisterung stellte Martin Wezowski, Chief Designer bei der SAP, genau solche Ideen vor und setzte sie in den Context:

Micro Chips so klein, dass man sie als Staub in den französischen Rotwein mischen kann? – Vorstellbar.

Einen Schluck davon trinken und danach fließend französisch sprechen? – Phantastisch!

 

 

Nur wenn wir uns die Zukunft auch vorstellen, können wir die Kreativität entwickeln, diese zu gestalten! Ok – das ganze war schon auch ein bisschen Pop-Kitsch, aber auf sehr erfrischende Weise.

 

 

Der wichtigste Gedanke, den alle Impulse über die Zukunft der Arbeit eint ist, dass wir uns allein wenn wir uns vorstellen können, was in Zukunft möglich ist, auch dazu verpflichtet sind diese mitzudenken.

 

Für uns war die Work Awesome ein Tag voller Inspiration, die wir hoffentlich nicht erst in fernen Zukunft einbringen können.

Denn das Motto der Zukunft sollte allen klar sein: Work? Awesome!

 

 

 


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